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„Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“ Johannes ahnte, was damit gemeint war. Jesus wird es offenbaren. Es ist nicht unbedingt das, was alle Welt erwartet hat. Himmel auf Erden, was das bedeutet, da gehen die Vorstellungen auseinander. Jesus sagt auch nicht, dass die Erde zum Himmel wird, sondern er sagt, dass eine große Nähe entsteht. Jesus bringt Licht ins Dunkel. Mitten unter den Menschen und nie weit entfernt von den verrufensten Ecken und Straßen. Ein neues Verständnis von Gerechtigkeit, eine neue Art persönlicher Zuwendung. Ein heilsames Sich-Begegnen und Miteinander-Gehen.

Ein Licht-Werden.

 

Foto: M. Tillmann

Ausgelegt!

Bibelwort: Matthäus 4,12-23 (zum Evangelium am 3. Sonntag im Jahreskreis)


Auch beim wiederholten Hören und Lesen dieses Abschnitts aus dem Matthäusevange- lium bleibt das Verhalten der beiden Brüderpaare Simon und Andreas sowie Jakobus und Johannes unverständlich. Von jetzt auf sofort alles hinter sich zu lassen, das bisherige Leben „über Bord zu werfen“, das erscheint nicht nur unverständlich, sondern geradezu unvernünftig.

Es sei denn, sie hätten schon vorher Jesu Botschaft gehört und ihr Glauben geschenkt: Das Himmelreich ist nahe. Wenn das Himmelreich nahe ist, das verändert alles, da betrachtet man das Irdische auf einmal mit anderen Augen – oder?

Ich kann es nicht, mein Leben so radikal zu ändern. Ich möchte es auch nicht. Ist dann mein Glaube an das nahende Himmelreich kleiner, vielleicht, weil in den letzten 2.000 Jahren davon so wenig spürbar gewesen ist? Vielleicht. Vielleicht kann Nachfolge aber auch ganz anders aussehen, dort stattfinden, wohin mich Gott in meinem Leben gestellt hat. Die Geschichte von der Berufung der Jünger muss ich ernst nehmen, das heißt aber nicht, ihr Verhalten zu kopieren. Das geht nicht. Ernst nehmen, bedeutet aber, dem Ruf Jesu immer wieder zu folgen: Kehrt um!

 

Michael Tillmann

 

Quelle: Bergmoser + Höller Verlag AG

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